Bosnisch, Kroatisch, Montenegrinisch und Serbisch: Vier Sprachen oder eine?

Bosnisch, Kroatisch, Montenegrinisch und Serbisch: Vier Sprachen oder eine?

Auf diese Frage, die uns sicher noch öfter beschäftigen wird, gibt es keine allgemeingültige Antwort. Auch, weil es dann, wenn diese Frage aufgeworfen wird, meist um Politik und weniger um Sprachwissenschaft geht.

Völlig unstrittig ist, dass zwischen den genannten Sprachen/Sprachvarianten Interkomprehension, also gegenseitige Verständlichkeit (auch als Tandemkommunikation bezeichnet), besteht. Wenn ein Sprecher aus einem der vier genannten Staaten, dasjenige, was er als Muttersprache gelernt hat, spricht (und er nicht aus einer Gegend mit besonders präganantem Dialekt stammt), wird er von Personen aus den anderen drei Ländern problemlos verstanden

Sprache wird nicht nur durch Verständlichkeit definiert

Dies allein macht Gesprochenes jedoch noch nicht zu einer gemeinsamen Sprache. Zusätzlich zu

  • sprachsystematischen Kriterien und zur
  • Verständlichkeit gibt es nach allgemeiner Meinung noch
  • sprachpolitische Kriterien, die darüber entscheiden sollen, was eine eigene Sprache ist und was nicht.

Diese hat Mark Twain einst verkürzt, aber sehr treffend, auf den Punkt gebracht, als er den Satz prägte:

„Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee“.

Dies ist der Ausgangspunkt der Ausführungen zum Serbokroatischen in dem lesenswerten Buch „Sprachen – Eine verbale Reise durch Europa“ von Gaston Dorren (Berlin 2017).

„Vier Sprachen, aber null guter Wille“

Unter der bezeichnenden Kapitelüberschrift „Vier Sprachen, aber null guter Wille“ vergleicht er insbesondere die Entstehungsgeschichte des Deutschen und des Serbokroatischen. Dabei stellt er unter anderem fest, dass Sprecher des Niederdeutschen und des Tirolerischen sich schwerer verstehen würden als Sprecher dessen, was er „verschiedene serbokroatische Dialekte“ nennt.

Dennoch kommt er zu dem Ergebnis, dass Bosnisch, Kroatischen, Montenegrinisch und Serbisch nun eigene Sprachen seien, da sie jetzt, nach der jeweiligen staatlichen Unabhängigkeit, auch eine Armee hätten.

Dieser Meinung kann man folgen, man muss es jedoch nicht.

Sie hat jedoch einen Vorteil: Sie macht nämlich klar, dass es bei der Diskussion um eigenständige Sprachen in den vier genannten Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens keinesfalls darum geht, ob die jeweiligen Muttersprachler problemlos miteinander kommunizieren können. Dies ist (wie jeder Ausländer, der sich diese Sprache/n, angeeignet hat, aus eigener Erfahrung weiß) mit etwas guten Willen ohne weiteres möglich.

Dort, wo die Kommunikation wegen bestehender sprachlicher Unterschiede hakt, können Unklarheiten meistens durch einfaches einmaliges Nachfragen behoben werden. Schließlich kann im Deutschen auch der Süddeutsche lernen , dass der Hamburger kein Werkzeug meint, wenn er „Rundstück“ sagt, sondern ein Brötchen, Wäkla, Kipferl o.ä.

Mark Twain hat auch einen Satz zum Deutschen

Nochmals zu Mark Twain: Dieser hat sich auch intensiv mit der deutschen Sprache auseinandergesetzt.

Dabei hat er viele Skurilitäten und Absurditäten entdeckt, die auch für deutsche Muttersprachler interessant zu lesen sind. Auch diesbezüglich hat er seine Erkenntnisse in einem Satz zusammengefasst, den wir Ihnen nicht vorenthalten wollen. Er lautet:

Die deutsche Sprache sollte sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen abgelegt werden, denn nur die Toten haben die Zeit, diese Sprache zu lernen.

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