Unbekannter Krisenherd Mazedonien Teil 2: Die Slawen kommen

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„Krieger auf dem Pferd“, der Alexander dem Großen (angeblich nur zufällig) ähnlich sieht. Im Rahmen des Projekts „Skopje 2014“ neu errichtes, 22 m hohes Denkmal im Zentrum von Skopje

 

Wir verfolgen die Geschichte der heutigen EJR Mazedonien. Und schon in der ersten Folge  war es unübersichtlich.

Und das, obwohl die heute prägende Bevölkerungsgruppe noch fehlte: Die Slawen, genauer die Südslawen.

Südslawen:  Viele Fragen und Rätsel

Auch was die Südslawen angeht, ist vieles strittig oder ungeklärt.

Sogar ihre Herkunft liegt im Dunkeln der Geschichte. ( Übrigens: Auch das lernt man bei Recherchen wie derjenigen zu diesem Artikel: Auf Englisch spricht man in diesem Zusammenhang von „Urheimat“). Diese Urheimat soll entweder in der Ukraine gelegen haben oder am – den kennt man in Deutschland wohl noch – Dnjepr. Oder – da musste zumindest der Autor dieser Zeilen nachschlagen – am Bug.

Die Südslawen jedenfalls verließen, auch dazu gibt es verschiedene Meinungen, ihre Heimat aus Not (Die Bremer Stadtmusikanten würden sagen: „Etwas Besseres als den Tod findet man überall.“) oder aus Machtstreben. Einig scheint man sich jedoch zu sein, was sie auf dem Balkan taten: Zuerst plünderten sie nur und zogen sich wieder zurück; irgendwann blieben sie dann.

Welche südslawischen Völker kamen damals?

Jetzt könnte man wieder weit ausholen. Machen wir es stattdessen kurz: Es kamen damals keine Mazedonier. Die gab es damals nämlich noch nicht. Auch wenn insbesondere auf dem Balkan viele widersprechen würden: Völker und Nationen (beides ist nicht dasselbe!) sind nicht in alle Ewigkeit festgemeißelt.

Völker sind nichts Ewiges, sondern sie verhalten sich wie Handelsgesellschaften

Mit ihnen verhält es sich wie mit Handelsgesellschaften: Sie fusionieren, wobei kleinere in größere aufgehen. Oder sie spalten sich voneinander ab. Auch Neugründungen „auf der grünen Wiese“ gibt es.

Es ist also nicht nur normal, dass Völker und Nationen im Laufe der Geschichte untergehen, sondern auch, dass neue entstehen.

Das bekannteste Beispiel sind die US-Amerikaner. Heute bezweifelt keiner, dass es sie gibt. Vor 600 Jahren aber war weit und breit von ihnen nichts sehen. Man kann auch durch den Lauf der Ereignisse, insbesondere der Familiengeschichte, einem anderen Volk angehören, als der eigene Urgroßvater.

Kein „Völkerregister“ und lange kein mazedonisches Bewußtsein

Firmen – um auf das Beispiel von eben zurückzukommen – werden in das Handelsregister eingetragen. Für Völker gibt es so etwas nicht. Deshalb kann man über solche Dinge so ausgiebig streiten.

Unstrittig ist, dass es einige der früheren südslawischen Völker heute nicht mehr gibt. Oder haben Sie schon einmal etwas gehört von:

  • Seweren
  • Branicevci oder
  • Timotschan?

Zurück zu den slawischen Mazedoniern. Deren Vorfahren kamen als Teil der Südslawen im Rahmen der sog. Landnahme auf den Balkan. Die slawischen Bewohner des Gebietes der heutigen EJR Mazedonien fühlten sich aber lange, sehr lange, nicht als Mazedonier.

Wieso sollten sie auch? Ein mazedonischer Staat jedenfalls war noch lange nicht in Sicht.

Bulgarien, Byzanz, Serbien, wieder Bulgarien, und nochmals Serbien

Nach der Einwanderung der Slawen wurde das Gebiet der heutigen EJR Mazedonien nämlich Teil des ersten bulgarischen Reiches.

Dies klingt aus heutiger Sicht, zumindest was die Sprache angeht, sehr verwandt. Tatsächlich handelte es sich bei den Bulgaren, bzw. ihrer damaligen Oberschicht, um Angehörige einiger zugewanderter Turkvölker. Die Hauptstadt dieses ersten bulgarischen Reiches wurde übrigens mehrfach verlegt. Unter anderem war sie zeitweise in Skopje, Bitola und Ohrid, also auf dem Gebiet der heutigen EJR Mazedonien.

Danach folgte ein weiterer Herrschaftswechsel: Das erste bulgarische Reich wurde später von Byzanz erobert und wird in diesem Reich ein Verwaltungsbezirk (so genanntes „Thema Bulgarien“). Hauptstadt dieses Verwaltungsbezirkes ist nun Skopje.

Auch später blieben die Dinge weiter im Fluss. Unter anderem wurde das Gebiet im zwölften Jahrhundert 24 Jahre (1131-56) Teil des serbischen Fürstentums Raszien. Dies sollte nicht das letzte Mal blieben, dass das Gebiet zu Serbien gehörte.

Skopje als serbische Krönungsstadt

Doch bald wechselte wieder die Herrschaft und das Gebiet fiel an das zweite bulgarische Reich.

Im Jahre 1282 eroberte dann der serbische König Milutin Skopje. Dass man dieser Eroberung eine gewisse Bedeutung beigemessen hat zeigt der Umstand, dass sich 1346 dort Stefan Uroš IV. Dušan, der den Beinamen „der Mächtige“ trug, zum ersten serbischen Zaren krönen ließ.

Osmanen: Nachbarn verteidigen gegen die ersten Eroberungsversuche

Wenig später drangen jedoch die Osmanen in das heutige Gebiet der EJR Mazedonien vor.

Dies geschah jedoch nicht ohne Widerstand. Der ging allerdings federführend nicht von den Bewohnern dieses Gebietes aus, sondern wurde aus der Umgebung gesteuert.

Der Drahtzieher des Widerstandes war nämlich der heutige albanische Nationalheld Skanderbeg, der den Osmanen auch auf dem Gebiet der heutigen EJR Mazedonien vorübergehend erfolgreich Paroli bieten konnte. Dabei war er jedoch nicht alleine. Er hatte nämlich ein Verteidigungsbündnis albanischer und montenegrinische Fürsten initiiert, die Liga von Lezha. Der gelang es zeitweise, erhebliche Teile Westmazedoniens. also der heutigen EJR Mazedonien, zu erobern und gegen die Osmanen zu verteidigen.

Beginn eines halben Jahrtausends osmanischer Herrschaft

Schließlich gewannen jedoch die Osmanen die Oberhand und konnten das gesamte Gebiet für ein halbes Jahrtausend unter ihre Kontrolle zu bringen.Damit begann die nächste und gleichzeitig eine der längsten Phasen in der Geschichte des Gebietes der EJR Mazedonien.

 (Wird fortgesetzt)

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