EX-YU Welterbe Teil 3: Wer schreibt der bleibt

Beitragsbild: Seite der Haggada, Sarajevo (Quelle: Wikipedia, Autor unbekannt)

Nachdem wir zuerst die UNESCO-Weltkultur- und -naturerbestätten und anschließend das von der UNESCO anerkannte immaterielle Welterbe der ex-jugoslawischen Staaten vorgestellt haben, hier nun die Dokumente, die Eingang in das 1992 von der UNESCO gegründeten Programm Memory of the World (MOW, Gedächtnis der Welt) „zum Erhalt des dokumentarischen Erbes der Menschheit“ gefunden haben.

Die Liste der in diesem Programm anerkannten Dokumente besitzt derzeit etwas mehr als dreihundert Einträge. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien bislang nur fünf Dokumente aus zwei Nachfolgestaaten  aufgenommen wurden. Dabei handelt es sich um

Bosnien und Herzegowina

  • die berühmte Haggada von Sarajevo, ein jüdisches religiöses Buch, und die
  • Manuskriptsammlung der Gazi Husrev Bibliothek.

Serbiens

  • Das Archiv des genialen Erfinders Nikola-Tesla
  • Das um 1180 entstandene Miroslav-Evangelium, sowie
  • das Telelegramm mit dem Österreich-Ungarns  Serbien am 28. Juli 1914 den Krieg erklärt.

Kurz, aber gehaltvoll

Die Liste mag kurz sein. Sie hat es aber in sich. Das Telegramm Österreich-Ungarns mit der Kriegserklärung an Serbien vom 28. Juli 1914 hatte einen Weltkrieg mit Millionen von Toten zur Folge. Wohl niemals vorher und nachher hat ein so kurzes Dokument so dramatische Fogen gehabt!

Und auch die Dokumente aus Sarajevo sind bemerkenswert. Zum Haggada-Buch schreibt Wikipedia:

Ein besonderes Sammlungsobjekt ist die Sarajevo-Haggada, eine Handlungsanweisung für den Sederabend. Es wurde etwa 1314 in Spanien geschrieben und von sephardischen Auswanderern gegen 1492 nach der Vertreibung der Juden aus Spanien nach Bosnien gebracht, das zu jener Zeit zum Osmanischen Reich gehörte. Dieses einmalige Werk befindet sich seit 1894 durch Ankauf im Besitz des Museums und ist das älteste überlieferte Zeugnis jüdischer Buchkunst in Spanien. Es ist eine mittelalterliche Handschrift auf Pergament mit reicher Buchmalerei.

Während des Zweiten Weltkrieges verleugneten der damalige Museumsdirektor Jozo Petrović und der Kurator Derviš Korkut die Anwesenheit des Buches. Über den Verbleib während der deutschen Besatzung gibt es verschiedene Auffassungen. Nach einer Überlieferung brachte es der damalige Museumsdirektor unter Lebensgefahr in ein Bergdorf, wo es von muslimischen Geistlichen und anderen Einwohnern abwechselnd versteckt worden sein soll. Eine andere Variante besagt, dass es unter einem Baum begraben wurde. Für wahrscheinlich wird angenommen, dass man es in den reichhaltigen Bibliotheksbeständen im Nationalmuseum versteckte.

Zur Zeit des Jugoslawienkrieges 1992–1995 bargen es der Direktor Enver Imamović, einige Polizisten und Angehörige einer militärischen Einheit aus dem beschädigten Museumskomplex, der in einer Frontlinie lag. Sie brachten die Haggadah in die unterirdischen Tresorräume der Nationalbank in Sarajevo.

Und was gibt es dort aus Deutschland?

Deutschland, das Land in dem u.a. der Buchdruck erfunden wurde, ist häufiger in dieser Sammlung vertreten. Hier, in der zeitlichen Reihenfolge der Aufnahme in das Programm, die Liste der deutschen Einträge, die interessanterweise mit Tonaufzeichnungen beginnt:

 

 

 

 

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