Heute, am 29. November, ist der ehemalige jugoslawische Nationalfeiertag.

AVNOJ beschließt jugoslawische Nachkriegsordnung

Er geht zurück auf die zweite Sitzung des Antifaschistischer Rat der Volksbefreiung Jugoslawiens (Antifasisticko vece narodnog oslobodjenja Jugoslavije, kurz AVNOJ), die vom 21. bis 29. November 1943 in der bosnischen Stadt Jajce stattfand.

Bei dieser Konferenz erklärte sich dieser Rat zum „obersten Exekutivorgan“ und legte den Grundstein für die Errichtung eines föderativen Jugoslawiens auf Grundlage der Selbstbestimmungsrechte der südslawischen Völker der Serben, Kroaten, Slowenen, Mazedonier und Montenegriner (richtig: Bosnier wurden dabei nicht genannt)

Außerdem wurde auf diesem Kongress der jugoslawischen Exilregierung die Anerkennung entzogen und König Petar II die Rückkehr nach Jugoslawien untersagt. Und Tito wurde zum Marschall Jugoslawiens ernannt.

Es wurde also eine Nachkriegsordnung, die dann auch tatsächlich so umgesetzt wurde, geplant.

Tag wird auch heute noch gefeiert

Deshalb wurde dieser Tag zum Staatsfeiertag, das Datum 29.11.1943 fand sogar Eingang in das Staatswappen.

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Auch heute treffen sich am 29. November in Jajce noch einige Aufrechte, um der damaligen Ereignisse zu gedenken.

 Verschwiegener Beschluss über die Verfolgung der deutschen Zivilbevölkerung

Nicht erwähnt wird dabei meistens, dass die Beschlüsse der AVNOJ auch die eingesessene deutschstämmige Zivilbevölkerung auf dem Gebiet Jugoslawiens rechtlos stellte. Zu diesem hieß es nämlich:

  1. Alle in Jugoslawien lebenden Personen deutscher Volkszugehörigkeit verlieren automatisch die jugoslawische  Staatsbürgerschaft  und  alle  bürgerlichen  und  staatsbürgerschaftlichen Rechte.

  2. Der gesamte bewegliche und unbewegliche Besitz aller Personen deutscher Volkszugehörigkeit gilt als  vom  Staat  beschlagnahmt  und  geht  automatisch  in  dessen  Eigentum über.

  3. Personen deutscher Volkszugehörigkeit  dürfen  weder  irgendwelche  Rechte  beanspruchen oder ausüben, noch Gerichte und Institutionen zu ihrem persönlichen oder rechtlichen Schutz annehmen.

Durch die Beschlüsse der AVNOJ würde also der verständliche Kampf gegen die deutschen Besatzungstruppen auf die deutsche Zivilbevölkerung, die schon lange vor der Okkupation dort gelebt hat, ausgedehnt. Nicht das Verhalten, sondern alleine die Volkszugehörigkeit sollte über Sanktionen entscheiden. Das Tito-Regime bediente sich also rassistischer Mechanismen.

Punk-Band ruft Zensur auf den Plan

So ein ganz toller Tag zum Feiern ist das Jubiläum der AVNOJ- Beschlüsse also doch nicht.

Das wusste (aus ganz anderen Gründen) zu sozialistischen Zeiten bereits die zur Bewegung der Neuen Primitiven gehördende bosnische Band  Zabranjeno pušenje (Rauchen verboten). Diese schrieben nämlich vor 30 Jahren  ein Lied “Tag der Republik“ in dem sie zu hymnischer Musik Klartext redeten.

Darin schilderten sie unter anderem den Widerspruch zwischen sozialistischen Heilsversprechen und der Alltagswirklichkeit. Dies führte zu erheblichen Problemen mit der Plattenfirma und verzögerte das Erscheinen der Schallplatte erheblich.

Seitenhiebe auf Partisanennostalgie, die Erwähnung nicht funktionierender Heizungen und vor allem die Zeile, dass viele nur auf ihren Pass warten würden, da das Leben nur außerhalb der eigenen Landesgrenzen stattfinden würden, waren den Verantwortlichen dann doch zu viel.

Immerhin aber: Die Platte konnte letztlich erscheinen. (In anderen sozialistischen Staaten wäre so etwas wohl schwerlich denkbar gewesen.)

Hier ist sie wieder, die Doppelköpfigkeit des jugoslawischen Selbstverwaltungssozialismus.

Zensur macht kritisierte Zeilen erst richtig sichtbar

Und noch etwas erscheint typisch jugoslawische: Um die Platte erscheinen zu lassen fand man einen Kompromiss. Zum einen sollte der ironische Zusatz „unser Vorschlag für den jugoslawischen Beitrag zum Eurovision Song Contest“ auf der Plattenhülle gestrichen werden. Außerdem sollten die als besonders kritisch empfundenen Zeilen, in denen das Warten auf den Pass beschrieben wird, auf der Innenhülle der Platte überdruckt werden.

Dies erfolgte auch. Jedoch nicht mit schwarzer, sondern mit silberner Farbe. Was zum Ergebnis hatte, dass man nicht lange suchen musste, welche Zeilen für Unmut gesorgt hatten.