Tito hui, Tito pfui

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Als die Welt „noch in Ordnung war“: Tito-Pioniere auf der Tito Straße in Ljubljana 1961 Bildquelle: Wikipedia

Serbien, Kroatien, Bosnien: Tito hui!

In Belgrad, Serbien, versammeln sich auch heute noch jährlich am 24. Mai, dem Geburtstag des ehemaligen jugoslawischen Staatspräsidenten Tito, tausende an dessen Grab, das sich in einer aufwändig gepflegten Gedenkstätte, dem Haus der Blumen (kuća cveća), befindet.

In Sarajevo, Bosnien und Herzegowina, ist die Hauptstraße nach Marschall Tito (Maršala Tita) benannt. Und wer dort mit seinen Kindern in den Zoo geht, muss dazu in das „Tal der Pioniere“ (pionirska dolina), das nach der ehemaligen sozialistischen Jugendorganisation benannt ist.

In der kroatischen Hauptstadt Zagreb beherbergt der Platz des Marschall Tito (Trg maršala Tita) sowohl das kroatische Nationaltheater wie die Juristische Fakultät und das Mimara-Museum

Trotz Eigenstaatlichkeit und Systemwechsel ist Tito in diesen Länder also noch im Stadtbild und im öffentlichen Leben präsent.

Slowenien: Tito pfui

In Slowenien dagegen hat das deutlich anders.

Tito 1991 verbannt

Dort hat man bereits 1991 in der Hauptstadt Ljubljana der Tito-Straße (Titova cesta), die vom Zentrum stadtauswärts führte, den Namen entzogen.

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Zentral gelegen: Tito-Straße Nr. 1 (1952 – 1991) (Bildquelle: Wikipedia)

Diese heißt nun auf der längsten Stecke „Slowenische Straße“ (Slovenska cesta). In den außerhalb des Stadtzentrums gelegenen Teilen trägt sie dagegen jetzt den Namen „Dunajeska cesta„. Dunaj ist das slowenische Wort für die österreichischen Hauptstadt. (In Bosnien, Kroatien, Montenegro und Serbien würde man zu Wien übrigens Beč  sagen.)

18 Jahre später: Tito wieder reingelassen (aber nur ins „Vorzimmer“)

Da viele Bewohner Lubljanas die Tito-Straße vermissten, benannte man 2009 auf Vorschlag des Dichters Petar Božič einen Teil einer  Straße, die bis dahin Steirische Straße (Štajerska cesta) hieß, in Titostraße um. Anders als dem Vorläufer handelte es sich dabei um eine eher langweilige Ausfallstraße.

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Entlegen und kein Schmuckstück: Tito-Straße Nr. 2 (2009 – 2011) (Bildquelle: Wikipedia)

Was die Gegner dieser Maßnahme nicht daran hinderte, das Verfassungsgericht anzurufen, das ihnen recht gab.

Dem Verfassungsgericht gefällt das nicht

Das Verfassungsgericht war nämlich der Auffassung, dass  eine solche Erinnerung an den kommunistischen Staat

„objektiv als Anerkennung des einstigen undemokratischen Regimes“

angesehen werden müsse und deshalb verfassungswidrig sei.

Wörtlich meinte es unter anderem:

Der Name Titos symbolisiert nicht nur die Befreiung des Territoriums des heutigen Sloweniens von der faschistischen Okkupation im Krieg, sondern ist auch ein Symbol für das totalitäre Nachkriegsregime, das durch die grobe Verletzung von Menschenrechten und Grundfreiheiten gekennzeichnet war.

Das Verfassungsgericht erließ diese Entscheidung einstimmig, einige Richter gaben zu dem Ergebnis jedoch abweichende Begründungen ab. Innerhalb der Bevölkerung scheint die prozentuale Verteilung zwischen Befürwortern und Gegnern dagegen anders.

Was dem einen sein Tito, ist dem anderen sein Kruzifix

Wenn es um religiöse oder weltanschauliche Fragen gehr, werden Entscheidungen von Verfassungsgerichten häufig schon einmal missachtet. Deshalb hängen vor allem im Süden Deutschlands nach wie vor noch Kruzifixe in den Klassenzimmern mancher staatlicher Schulen.

Trotz Verfassunssgericht: Tito-Pioniere auch noch in der EU

In Slowenien daagegen treten auch heute noch in öffentlichen Schulen schon mal Schüler in den Uniformen der „Tito Pionieren“ an.

Dagegen hat nun der scheidende Präsident des slowenischen Verfassungsgerichts Miroslav Mozetič  in einem Interview deutlich Stellung bezogen. Er wiederholte bei dieser Gelegenheit, dass die Verwendung des Namens Tito ein früheres Regime verklären würde.  Dann führt er aus:

Eine solche Verehrung des früheren Systems ist besonders problematisch, wenn es um Kinder geht, die über diese Zeit nichts wissen. Vielleicht gefällt es den Kindern, wenn sie Pioniermützen und Halstücher angezogen bekommen, aber in Wahrheit tut man den Kindern so Gewalt an.

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