Nordmazedonien: Briefmarke löst Proteste aus Kroatien und Serbien aus

Philatelisten erinnern an Jugoslawien

Die rührige Arbeitsgemeinschaft Jugoslawien Nf. (Nf. = Nachfolgestaaten) e.V. im BDPh im Bund Deutscher Philatelisten hat kürzlich die neueste Ausgabe ihrer Fachzeitschrift „Südost-Philatelie“ herausgegeben (SOPhia Vol. 47 (2021) No. 3, 1-94 No. 146). Diese enthält wiederum einen bunten Strauß von Artikeln über historische, aber auch aktuellen politische Entwicklungen, die sich anhand von Postwertzeichen, aber auch von Postkarten, Briefen und Stempeln, nachvollziehen oder überhaupt erst rekonstruieren lassen.

Philatelie als Detektivarbeit und Geschichtsforschung

Manche Beiträge zeigen deutlich, dass Philatelie mehr ist als das bloße Sammeln von kleinen Wertmarken, sondern oft sehr viel Detektivarbeit erfordert und Geschichten, die sich spannend wie ein Krimi lesen, zu Tage bringen. Dazu gehört vor allem der Artikel „Rarität oder Ferrarität? Das Kehrdruckpaar Fürst Milan von Serbien“ von Marjo Peronja.

Sie müssen das Wort „Ferrarität“ jetzt nicht googeln, es ist eine Wortschöpfung des Autors, die mit dem Namen des „Hauptverdächtigen“ einer philatelistischen Kuriosität spielt. An, für Nicht-Philatelisten unverständliche Wörter wie „Kehrdruckpaar“ oder „Ganzsache“ muss man sich bei der Lektüre dieser Zeitschrift gewöhnen.Über das eine oder andere der vielen historischen Erkenntissen über das ehemalige Jugoslawien, die das Heft enthält, werden wir vielleicht einmal bei anderer Gelegenheit berichten.

Dreisprachige Briefmarken

An dieser Stelle wollen wir auf wollen wir zwei Berichte vorstellen, die auf aktuelle politische Entwicklungen in einem Land, über das man in Deutschland wenig weiß und erfährt, Bezug nehmen. Die Rede ist von Nordmazedonien, einem Land, das von Nachbarn umgeben ist, die ihm die EU-Annäherung nicht eben einfach machen, aber auch reichlich Konfliktpotenzial im Inneren besitzt.

Die erste Nachricht ist eine positive: In Mazedonien gibt es eine große albanische Minderheit. Mindestens 25 % der Bevölkerung, so wird geschätzt, sind ethnische Albaner. Die albanische Sprache spielte früher im offiziellen Bereich jedoch erst eine Rolle, wenn in einem Gebiet ein bestimmter Prozentsatz Albaner lebten. Seit dem Regierungswechsel wurde der Status der albanischen Sprache verbessert. Nun wird auf den Briefmarken des Staates Nordmazedonien der Staatsname außer in mazedonischer auch in albanischer Sprache wiedergegeben. Dazu kommt der Staatsname in Englisch, so dass sich nun drei Sprachversionen auf den Marken finden.

Eine Marke verärgert zwei Nachbarstaaten

Eigentlich positiv gedacht war eine andere Marke, die die Beziehungen Nordmazedoniens, das der EU beitreten möchte, zur Europäischen Union in den Mittelpunkt stellt. Aus diesem Anlass gab man letztes Jahr zwei Marken heraus, die den beiden Staaten, die 2020 die Ratspräsidentschaft inne hatten, gewidmet waren. Außer Deutschland war das auch Kroatien. Bei der diesbezüglichen Marke machte man jedoch einen großen und irgendwie auch unverständlichen Fehler. Statt des heutigen Staatsgebietes druckte man die Umrisse des faschistischen Staates „Unabhängiger Staat Kroatien“ ab, der während des Zweiten Weltkrieges bestand und auch in das Staatsgebiet von Bosnien und Herzegowina sowie Serbien hineinreichte. Kein Wunder also, dass Proteste aus diesen Staaten folgten.

Die Regierung von Nordmazedonien reagierte sofort und entschieden. Dadurch, dass die Mitglieder des staatlichen Rats für Philatelie und der Leiter des Amtes für Philatlie entlassenw urden.die abgelöst wurden. Die Briefmarken wurden natürlich sofort aus dem Verkehr gezogen. Allerdings sollen, so berichtet die Zeitschrift, einige wenige Exemplare in den Umlauf gelangen gelangt sein. Wir befürchten, dass diese insbesondere deshalb eine besondere (rein finanzielle) Wertsteigerung dadurch erfahren werden, dass wohlhabende Sammler, die das damalige kroatische Staatsgebilde trotzalledem sehr positiv beurteilen, diese Marke besitzen möchten.

Auch diese Ausgabe der Zeitschrift ist wieder eine Fundgrube mit Beiträgen, die zu mindestens einem Dutzend Artikeln auf dieser Website inspirieren könnten. Die Bandbreite reicht von ausländischen Gebieten mit Posthoheit auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawiens über die merkwürdige Geschichte einer Briefmarke mit einem auf dem Kopf stehenden Herrscher bis hin zu den ersten philatelisctischen Spuren, die der neue Staat 1918 hinterlassen hat und Spuren der Postzensur im schon erwähnten NDH-Staat.

Viereinhalb Jahrzehnte jugoslawische Philatelistie auf einem Stick

Die gegenwärtige Ausgabe ist die Nummer 145. Bei ihrer Lektüre kann man sich ungefähr vorstellen, welche Fülle an weiteren Themen in den mehr als 45 Jahren, in denen diese Zeitchrift und ihr Vorläufer erschienen, behandelt wurde. Wer daran interessiert ist, dem kann geholfen werden. Die Gesamtausgaben der Vereinszeitschrift aus den Jahren 1975-2018 mit mehr als 3000 Textseiten gibt es in elektronischer Version nämlich auf einem USB für gerade einmal 20 €.

Jugoslawien, so wie es die meisten bisher noch nicht kannten, zum Schnäppchenpreis! Weitere Informationen dazu auf der Website der ARGE Jugoslawien.

„Jugoslawien“ wird in der Übersetzung zu „Südost“

Auch die Zeitschrift selbst ist übrigens nicht frei von Kuriosiäten mit politischem Hintergrund. Während nämlich der deutsche und englische Titel „Südost-Philatelie“ bzw. „Southeast European Postal History Review“ lauten, sprechen die kroatische und serbische Version von „Geschichte der jugoslawischen Postgeschichte“ (kroatisch: Časopis za jugoslovensku poštansku povijest; serbisch: Часопис за југословенску поштанску историју).

Jugoslawien: Philatelistisches Universum

Über die Arbeitsgemeinschaft haben wir schon einmal im Zusammenhang mit der schier unübersichtlichen Vielfalt von Sammelgebieten, aus denen das ehemalige Jugoslawen besteht, berichtet.

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