Eine Herberge mit mehr als doppeltem Boden: Zu Gast bei Himlija

Quelle des Beitragsbildes: Serbische Wikipedia

Gute Fernsehunterhaltung ist selten, auch auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens.

Jetzt aber gibt es dort (und über YouTube weltweit) Gelegenheit, sich beim Fernsehen köstlich zu amüsieren.

Seit Mai läuft auf dem Sender „Top Kanal“ die Serie „Konak kod Himlije“ (Die Herberge von Himlija).

Einblick in Genre der Partisanenfilme

Sie spielt im Zweiten Weltkrieg in Sarajevo und gibt, in parodierender Form, auch einen Einblick in das offensichtlich immer noch nicht ausgestorbene Genre der Partisanenfilme.

Dabei darf man sich nicht vom Intro verwirren lassen, in dem zu pathetischer Musik Panzer fahren und angekündigt wird, dass sich die „Wehrmacht an dieser Stadt (die Rede ist von Sarajevo) die Zähne ausbeißen wird„. Das dient zur Beleuchtung des historischen Umfeld, und stellt – ebenso wie der Mischmasch zwischen Serbokroatischer und Deutscher Sprache – auch ein Zitat aus klassichen Partisanenfilmen dar, gibt aber nicht die weitere filmische Umsetzung vor.

Aber tatsächlich politisch unkorrekte Komödie

Was folgt ist eine politisch reichlich unkorrekte Komödie, die man auch auf der Bühne eines Gasthaussaales präsentieren könnte. Im Wesentlichen spielt sich das Geschehen nämlich in drei Räumen in der Herberge ab.

Bunter „bosnischer Eintopf“

Worum geht es? Hier die wichtigsten Zutaten dieses „bosnischen Eintopfs“:

  • Himlija ist Inhaber einer Herberge im okkupierten Sarajevo, in der Angehörige aller Konfliktparteien verkehren.
  • Dort trifft sich zum Beispiel der deutsche Stadtkommandant Schilling (der auch in dem Konak wohnt)
  • zum Frühstück mit dem Chef der Geheimpolizei,
  • während im Keller reichlich skurille Partisanen einen Tunnel zum Munitionsdepot der Deutschen graben.
  • Bedient wird der Stadtkommandant von einem Sinti oder Roma (in der Serie politisch unkorrekt, aber balkanüblich als Cigan/Zigeuner bezeichnet),
  • der sich der besseren Überlebenschancen wegen als Slowene „auf zeitweiliger Arbeit in Bosnien und Herzegowina“ ausgibt.
  • Weiter gibt es da einen italienischen Besatzungsoldaten mit erotischen Ambitionen und
  • einen Albaner, der undercover für die faschistischen Ustaša arbeitet.
  • In diesem ganzen bunten Zirkus regiert der Gastwirt Himljia, oder besser: er versucht den Überblick zu behalten und nicht enttarnt zu werden.
  • Himlija nämlich unterstützt die Partisanen,
  • nach außen hin aber ist er gut Freund mit den Besatzern.
  • Eine Rolle, die er so gut spielt, dass ihm sogar seine eigene Tochter, die dem Widerstand zugeneigt ist, mit der Erschießung droht.

Haben Sie noch den Überblick?

Überleben wichtiger als Überblick

Wenn nicht: Nema problema!

Es geht nämlich nicht darum, den Überblick zu behalten. Sondern – wie auch heute im richtigen Leben – sich in einer unüberschaubaren Welt, in der unter der Oberfläche eines Mit- und Nebeneinanders jeder gegen jeden kämpft, irgendwie durchzuwursteln.

Wie heute: Keine ausschließlich Guten, keine ausschließlich Bösen

So kommt es auch, dass es in der Handlung keine good guys und  Bösewichte vom Dienst gibt. Hier kämpft nicht nur jeder gegen jeden, sondern unter dem Deckmantel seiner Gruppenzugehörigkeit letztlich doch nur für seinen eigenen Profit. (Eine Kommentar nennt das „Amüsieren auf Kosten der Partisanen, Ustaschau und der Tschetniks“ – Zezanje na račun partizana, ustaša i četnika.)

Einige folgern daraus, dass die Serie zwar in einem altbekannten historischen Rahmen spielt, aber auch die heutige Wirklichkeit in Ex-YU widerspiegelt. Da die Serie in der ganzen Region gesehen wird, scheint an dieser These etwas dran zu sein.

Reinschauen lohnt auch ohne Sprachkenntnisse

Reinschauen lohnt, auch wenn man der Sprache nicht mächtig ist.

Mit Sprachkenntnissen bekommt man aber mehr mit. Manches, was auf den ersten Blick wie Ohnesorg- und Millowitsch-Theater wirkt hat nämlich erheblichen Tiefgang und Schärfe.

Zu den Scahuspielern gäbe es vieles zu sagen. Merken sollte man sich auf jeden Fall Emir Hadžihafizbegović,, der trotz seines, auch für manche „Jugos“ schwer ausprechbaren Namens derzeit  wohl profiliertesten Schauspieler der Jugosphäre ist.

 

 

 

 

 

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