Die WM ist nicht alles: Aus der jugoslawischen Fußballgeschichte (Teil 5)

Beitragsbild: Stadion Rajko Mitić (Ort der „Nacht von Belgrad“) (Fotografin: Vlada Marinković, Wikipedia)

Die jugoslawische Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft

Jugoslawien war ein Land, dessen Sportler eine besondere Affinität zu Bällen in jeder Form hatten. Deshalb war man im Fußball – ebenso wie im Basket-, Hand- und Wasserball, regelmäßiger Gast auf der internationalen Szene.

So konnte sich Jugoslawien für die Hälfte aller EM-Endrunde, die während des Bestehens des Staates veranstaltet wurden, qualifizieren. Zweimal wurde man sogar Vize-Europameister.

Aber auch für Deutschland, das damals als Titelverteidiger und amtierender Weltmeister antrat, sind die Erinnerungen an diese EM schmerzlich, da man das Finale gegen die Tschechoslowakei verlor.

Diese Niederlage wäre eventuell vermeidbar gewesen, wenn die Führung des DFB nicht kurzfristig im  Falle eines Unentschiedens nach der Verlängerung einem Elfmeterschießen zugestimmt hätte. Wikipedia berichtet hierzu:

Die anschließende Verlängerung brachte zwar wieder Torchancen auf beiden Seiten, blieb aber torlos.

So kam es zum ersten Elfmeterschießen in einem bedeutenden Finale.

Ursprünglich war bei einem Unentschieden nach Verlängerung ein Wiederholungsspiel für den folgenden Dienstag vorgesehen, doch auf Bitten des DFB-Präsidents Hermann Neuberger, Bundestrainers Helmut Schön und Teambetreuers Erich Deuser wurde auf ein Wiederholungsspiel verzichtet und stattdessen Elfmeterschießen als Entscheidung festgelegt. Dies wurde erst einige Stunden vor Anpfiff entschieden.

Die deutschen Spieler erfuhren von der Regeländerung beim Aufwärmen und waren davon überrascht.

Besonders in Erinnerung blieb dabei der von Uli Hoeneß verschossene Elfmeter und der von Antonín Panenka schlitzohrig verwandelte letzte Elfmeter, mit dem das Spiel entschieden wurde. Franz Beckenbauer durfte als 5. deutscher Schütze nicht mehr antreten. Anders als alle Spieler vorher, die mit voller Kraft den Ball ins Tor schossen, lupfte Panenka den Ball in die Mitte des Tores, während Sepp Maier schon in der linken Ecke lag.

Die Wahl eines Elfmeterschießens war eine „mutige“ Entscheidung. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass der Torhüter Sepp Maier nicht eben dafür bekannt war, „Elfer“ halten zu können. Bernd Hölzenbein, der mit einem späten Tor einen Niederlage schon in der Verlängerung verhindern konnte, meinte dazu:

Allerdings hat Sepp Maier auch nie einen Elfmeter gehalten. Ich habe selbst einige gegen ihn geschossen, das war einfach nicht seine Stärke. Wir hatten die Hoffnung, dass er in diesem Finale vielleicht doch mal Glück hat. Aber er hat alle Elfmeter passieren lassen. Und Panenka war natürlich der Höhepunkt …

In Erinnerung geblieben ist das Spiel auch wegen eines kollosalen Fehlschusses von Ulli Hoeneß beim Elfmeterschießen.

Mehr als 30 Jahre danach überschreibt eine Internetseite ihren Bericht darüber mit den Worten

Das Drama: Als der Ball im Belgrader Nachthimmel verschwand

Und eine andere schreibt zum 40. Jubiläum des Ereignisses:

Er sei angelaufen „wie in Trance“, schildert Hoeneß später. Mit rechts schießt der Münchner derart weit über das Tor von Ivo Viktor, dass Spötter behaupten, die Liebespaare im benachbarten Tasmajdan-Park hätten ein Ufo am Belgrader Nachthimmel vermutet. „Den Ball suchen sie noch heute“, witzelt auch „Kaiser“ Franz Beckenbauer noch Jahre danach, „den hast du gar nicht mehr gesehen“.

Wie heißt es so schön: „Wer den Schaden hat braucht für den Spott nicht zu sorgen“.

Ansehen kann man sich den Schuss daneben noch heute auf You Tube:

 

EM 1992: Qualifikation für einen Staat, der so nicht mehr existierte

Die EM-Geschichte des ehemaligen Gesamtjugoslawiens endete 1992.

Als man sich bereits für die Teilnahme an der nächsten EM qualifiziert hatte, zerfiel das Land. Da keine der Mannschaften der neu entstandenen Staaten den alten, gemeinsamen repräsentieren konnte, wurde man von der UEFA von der Teilnahme ausgeschlossen.

Dänemark rückte nach – und wurde Europameister!

Die Bilanz des früheren Gesamtjugoslawiens bei der Europameisterschaft findet sich auf Wikipedia.

 

Sonstiges

Das frühere Gesamtjugoslawien machte während seines Bestehens eine Reihe von politischen Änderungen durch. Dies wirkte sich auch im Fußball aus. Eine der diesebzüglichen Anekdoten berichtet Wikiepedia:

Etwas Kurioses passierte am 7. Juni 1983 vor dem Spiel zwischen Jugoslawien und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Luxemburg anlässlich des 75. Jubiläums des luxemburgischen Verbandes. Als jugoslawische Nationalhymne wurde versehentlich die Hymne des Königreich Jugoslawiens von 1929 bis 1941 gespielt. Daraufhin weigerten sich die Jugoslawen solange anzutreten, bis ihre richtige (damals aktuelle) Hymne gespielt wurde. Dies geschah erst nach zirka eineinhalb Stunden.

 

Die Gesamtbilanz der Länderspiele zwischen Deutschland und Jugoslawien bei allen Begegnungen einschließlich der Freundschaftsspiele geht übrigens eindeutig zu Gunsten Deutschlands aus: Aus 25 Spielen ging man 14 Mal als Sieger hervor, viermal reichte es gerade zu einem Unentschieden und sieben Mal verlor man.

 

http://www.weltfussball.de/teams/deutschland-team/jugoslawien-team/11/

 

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