Titos Staffete: „Runner`s High“ der sozialistischen Art – und NSK offenbart Parallelen

Ein Lauf über 9000 km! Sehr herausfordernd!

Tausende laufen – aber keiner davon sehr weit

Wenn man allerdings weiß, dass es sich um einen Staffellauf handelt, an dem bereits beim ersten Mal 12.500 Läufer teilnahmen, dann hält sich die Bewunderung für die sportliche Herausforderung in Grenzen. Schließlich hatte jeder der Läufer weniger als einen Kilometer zurückzulegen.

Trotzdem war das ganze Unternehmen eine gewaltige logistische Leistung. Allein schon deswegen, weil diese Tradition 42 Jahre, nämlich von 1945-1987, Bestand hatte.

Wenn wir schon bei Superlativen sind: Insgesamt  fanden 20.000 verschiedene Staffelstäbe bei diesen Läufen Verwendung.

Tito und Queen: Geburtstag ad libidum

Anlass für diese Veranstaltung war jeweils der Geburtstag von Joseph Broz Tito, der allerdings – ähnlich wie bei der englischen Königin – nicht an seinem tatsächlichen Geburtstermin gefeiert wurde.

Eigentlich war Tito am 7. Mai geboren, gefeiert wurde er aber am 25. desselben Monats, weil Tito 1944 an diesem Tag in einer eigentlich ausweglosen Situation den deutschen Besatzern entkommen war.

Begangen wurde das Fest unter anderem damit, dass dem geliebten Genossen Tito  die Abschlussläufer des Staffellaufes in einer feierlichen Zeremonie die Staffette übergaben.

Ein Ereignis, das jeweils aufwändig, aber auch mit viel  „Schmalz“ insziniert wurde:

Nach Titos Tod: „Follow Up“ und Verfall

Auch nach dem Tod von Tito wurde die Tradition noch einige Zeit fortgeführt. Statt Tito nahm der jeweilige Vorsitzende des kollektiven Staatspräsidiums die Stafette entgegen.

Damals zeigten sich jedoch schon die ersten Verfallserscheinungen bzw. die ersten Ansätze einer kritischen Würdigung des Lebens und Wirkens von Tito.

Für diesen Lauf wurde jedes Jahr mit einem neuen Plakat geworben. Dies sollte die Ideale des Arbeiterselbstverwaltungssozialismus zum Ausdruck bringen.Um das jeweils geeignetste Plakat zu finden, veranstaltete man immer einen Wettbewerb.

Nazi-Plagiat gewinnt sozialistischen Wettbewerb

Im Jahre 1987 gewannen diesen Wettbewerb das Künstlerkollektiv Novi kolektivizam (Neuer Kollektivismus), das zur oppostitionellen Kunstrichtung der „Neuen Slowenischen KunstNeuen Slowenischen Kunst„, kurz NSK, gehörte.

Offensichtlich war die Jury der Meinung, dass deren Motiv die Ideale des neuen jugoslawischen Gesellschaftssystems am besten in Bildsprache umgesetzt hatte.

Das Bild zeigte eine ziemlich heroische Gestalt, die in der linken Hand eine  Fackel hält, in der rechten trug sie eine Art Lanze oder einen überdimensionalen Hirtenstab mit einem fünfzackigen Stern als Abschluss, auf den sich eine Friedenstaube gesetzt hatte.

Nunja, über Geschmack lässt sich streiten – oder eben auch nicht.

Zum Skandal wurde das Ganze als der Ingenieur Nikola Grujić der Tageszeitung „Politika“ einen Brief schrieb, in dem er darauf aufmerksam machte, dass das Motiv fatal an ein Plakat des Nazi-Künstlers Richard Klein aus dem Jahr 1936 erinnern würde.

Und tatsächlich handelte es sich bei dem vorbildlich sozialistischen Plakat – wenn man einmal davon absieht, dass bei Klein am Ende der Lanze ein Hakenkreuz und ein Adler sassen – um eine fast exakte Kopie:

Neues Plakat, doch der Staatsanwalt bleibt im Büro

Das Plakat wurde zurückgezogen, die Veranstalter waren blamiert, die Künstler hatten ihr Ziel, Parallelen zwischen den angeblich so unterschiedlichen Gesellschaftssystemen aufzuzeigen, erreicht.

Der Umstand, dass die Künstler ohne strafrechtliche Folgen davon kamen, belegt wohl, dass die Luft aus dem Sozialismus alter Prägung langsam endgültig draußen war.

Der Vorhang fällt mit viel Gefühl

Der Vorfall war wohl auch einer der Gründe, warum der  Staffellauf zum Tag der Jugend 1987 der letzte war.

Das Finale dieser Tradition sehen sie hier:

 

 

 

 

 

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