Primož Trubar: Der Slowenische Luther

An diesem Wochenende feiert auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien nur eine Minderheit Ostern. Und diese ist fast ausschließlich katholisch. Dabei handelt es sich vor allem um Slowenen und Kroaten in ihren Heimatstaaten oder in anderen ex-yu Republiken.

Protestantismus, der unbekannte Glaube

Die Anzahl der Protestanten dagegen ist, mit Ausnahme der von Ungarn besiedelten Gegenden in der zu Serbien gehörenden Vojvodina, verschwindend gering.

Insgesamt sind in Serbien (wegen der Vojvodina) und Slowenien gerade einmal ein Prozent der Bevölkerung Protestanten, in Kroatien sogar nur ein halbes Prozent.

Deshalb formulierten die Historiker Luka Ilić und Angela Ilić,  dass in Jugoslawien

…. in der Bevölkerung Unwissen über die Protestanten (herrscht).

Primož Trubar: Pendler zwischen Slowenien und deutschem Exil

In Slowenien war dies einmal anders. Allerdings ist das schon ein paar Jahrhunderte her.

Verantwortlich dafür war Primož Trubar (1508 – 1586),der  in Deutschland mitunter auch Primus Truber genannt wird. Dieser war ein Wanderer zwischen Slowenien und Deutschland (das ihm als Exil diente und wo er schließlich auch starb). Dort hatte er vor allem starke Bezüge zu Franken, da ihn sein Lebensweg mehrfach dorthin verschlug.

 Reformator, Übersetzer und Sprachvereinheitlicher

Trubar könnte man auch als den „slowenischen Luther“ bezeichnen. Wie dieser begann er als katholischer Priester und wurde dann, nachdem er in der Landesprache gepredigt und sich zunehmend dem Protestantismus angenähert hatte, zuerst exkommuniziert und dann zum Begründer der protestantischen Kirche in seiner Heimat Slowenien.

Wie bei seinem Wittenberger Kollegen reichte sein Wirken aufgrund seiner religiösen Publikationen und Übersetzungen weit über das Theologische hinaus. Luther schuf mit seiner Bibelübersetzung die einheitliche deutsche Schriftsprache. Trubar begründete mit seinem Katechismus, dem ersten Buch in slowenischer Sprache überhaupt,  das slowenische Schrifttum.

Die Antwort weiß ganz allein der/die Wind(ische Sprache)

Allerdings stand das Wort „Slowenisch“ nicht in dem deutschen Untertitel des Werkes. Dort war nämlich vom „Cathechismus in der Windischenn Sprach“ die Rede. Dabei steht „Windisch“ für Slowenisch.

 Pendeln zwischen Slowenien und Süddeutschland

Trubar pendelte mehrfach nach seiner Ausbildung, die er in Rijeka, Salzburg, Triest und dann in Wien erhalten hatte, zwischen seiner Heimat und dem Süden Deutschlands hin und her. Als Glaubensexilant hatte er u.a. in Nürnberg, Rothenburg ob der Tauber und Kempten Pfarrstellen inne.

Dort war es vor allem, wo er das Neue Testament und andere Teile der Bibel übersetzte. Zwischen 25 und 30 Bücher in slowenischer Sprache sollen so zusammengekommen sein.

Vermutlich haben Sie Trubar schon gesehen!

Sie möchten wissen, wie Trubar ausgesehen hat?

Die Chancen, dass Sie das schon wissen, sind größer als der Prozentsatz der Protestanten in Jugoslawien!

Schauen Sie doch in Ihren Geldbeutel. Wenn Sie dort eine slowenische Zwei-Euro-Münze finden, dann brauchen Sie diese nur umzudrehen – schon sehen Sie sein Porträt

Unkenntnis hat historische Gründe

Weiter Informationen zu den evangelischen Christen in Jugoslawien finden sich auf der Website des Ökumenischen Forums für Glauben. Religion und Gesellschaft in Ost und West G2W“.

Dort kann man auch einen der Hauptgründe dafür nachlesen, warum ausgerechnet im Vielvölkerstaat mit seinen verschiedenen Glaubensrichtungen so wenig über den Protestantismus bekannt ist.:

Aufgrund der historischen Verbindung zu den deutschen Protestanten, die wiederum alle als Anhänger des Nationalsozialismus betrachtet wurden, begegnete man den Kirchen vielfach mit Misstrauen. In der Zwischenkriegszeit lebte eine halbe Million Deutsche in Jugoslawien, viele von ihnen waren evangelisch. Ihr Schicksal, das in Titos Land als Tabuthema galt, ist bis heute in den jugoslawischen Nachfolgstaaten kaum aufgearbeitet.

 

Anekdote aus den 1980-ern

Dass im ehemaligen Jugoslawien weitgehend Unkenntnis über die Protestanten herrscht, hat der Autor dieser Zeilen übrigens in den 1980-ern dort – ausgerechnet in Slowenien ! – selbst erlebt.

Damals war er Gast bei einem Freund auf einem slowenischen Bauernhof. Anders als dieser Freund war dessen Mutter konservativ und, obwohl sie in einem kommunistischen Land lebte, erzkatholisch. Deshalb dachte sie wohl, dass auch der deutsche Freund ihres Sohnes dieser Konfession angehören müsste.

Als dieser das verneinte, war sie sichtlich verwundert. Mit der Antwort, dass er „evangelisch“ und „Protestant“ sei, könnte sie wenig anfangen. Deshalb fragte sie nach, was das denn für ein Glaube wäre?

Worauf der Verfasser dieser Zeilen sich nicht anders zu helfen wusste, als ihr vorzuschlagen, sie solle doch einfach fragen, was sie interessiere.

Darauf hin spielte sich folgender denkwürdiger Dialog ab:

Ob es bei den Protestanten Heilige gäbe, lautete die erste Frage. Nein, bekam sie zu hören. Sicher gäbe es Menschen, die besonders vorbildlich im Glauben wären. Aber heilig wären diese nicht. Auch brauche man keine Heiligen als Fürbitter, da man schließlich direkt zu Gott beten könne.

Die Mutter des Freundes war irritiert.

Deshalb kam die zweite Frage viel zögerlicher als die erste: „Dürfen bei den Protestanten die Pfarrer heiraten?

Ein selbstbewusstes „natürlich“ führte zu Stirnrunzeln, das sich zu tiefen Furchen auswuchs, als der Nachsatz kam: „Und auch Frauen können Pfarrer werden“.

Beredtes Schweigen füllte den Raum. Als die Mutter sich wieder gefangen hatte, fragte sie, ob die Protestanten den wenigstens den Papst anerkennen würden?

Die Antwort des damals vermutlich ziemlich altklugen 25-jährigen Deutschen machte (fast) jede Hoffnung zunichte : „Nein, gerade darin liegt ja der Unterschied“.

Wieder Schweigen, langes Schweigen. Die Mutter des Freundes überlegte.

Dann, mit zaghafter Stimme, die Frage: „Glaubt ihr den (wenigstens) an Jesus?“

Die Antwort brachte große Erleichterung und einen gemeinsamen religiösen Konsens, der schon in weiter Ferne gerückt schien, zurück.

Die Mutter schaute zuerst erleichtert und dann nach dem Essen auf dem Herd.

Weltanschauliche Themen vermieden beide Seite zukünftig.

 

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