D`Boys: YU-Gay Pride seit 1983

In Kroatien hat kürzlich die Vorstellung eines Kinderbuchs zu Regenbogenfamilien Widerstände hervorgehoben.

Dies ist ein Beleg dafür, dass das Gebiet des ehemaligen Jugoslawien nicht eben „gay friendly“ ist.

Weitere sind die Versuche, in den Hauptstädten Belgrad und Podgorica Schwulenparaden durchzuführen. Diese endeten auch schon einmal in gewalttätigen Übergriffen Konservativer. Und auch dort, wo die Paraden einigermaßen ungestört durchgeführt werden konnten, bedurfte es eines erheblichen Polizeiaufgebots. Hinzu kommen die Fälle, wo solche Veranstaltungen überhaupt nicht stattfinden konnten, weil sie von den Behörden aus Sorge vor Randale nicht genehmigt wurden.

Es wäre jedoch verfehlt, ganz Jugoslawien als homophob abzustempeln.

Schwule im Mittelpunkt von Kinofilmen

Beispielsweise gab es in jüngster Zeit zwei verschiedene Kinofilme, die das Thema Homosexualität in unterschiedlichen Kontexten bearbeiteten.

Im einen mit dem Titel „Go West“ geht es um ein serbisch-muslimisches Schwulenpärchen, das vor der Belagerung Sarajevos in die serbischen Gebiete flieht, wo sich der Muslim als Frau ausgeben muss, um nicht erkannt zu werden.

In dem anderen „Parada“ (Die Parade) geht es um vor Männlichenkeit und Chauvinismus nur so strotzenden Kriegsveteranen, die (im wahrsten Sinne des Wortes) in die Verlegenheit kommen, die Belgrader Gay-Parade sichern zu müssen, weil die Verlobte eines von ihnen sich von dem Hauptorganisator der Parade die Hochzeit organisieren lassen möchte.

D`Boys: Ziggy Stardust a la Balkan 

Wesentlich weniger Berührungsängste hatte da in den 1980-er die Belgrader Neoromantik-Synthie-Pop-Band D`Boys, die ihr erstes Album „Ajd‘ se zezamo“ mit einem Cover versah, das viele vermuten ließ, die Bandmitglieder wären gay.

D Boys (2)

Ihrer Karriere hat das damals nicht geschadet. Die Platte verkaufte sich nämlich bestens.

Wozu wohl auch das Gayimage beigetragen hat. Die Website „Rockomotiva.com“ meint dazu in einem Beitrag über den Sänger Predrag Peđa Jovanović mit dem Titel „Vom Hippie aus Kruševač zum jugoslwischen Chämelon„:

Aus dem späteren Lebenslauf von Predrag Jovanović kann man aufgrund der vielen Abenteuer, Ehen und und Kinder schließen, dass dieses kreative Image seinen tatsächlichen sexuellen Neigungen widersprach; unter unseren Bedingungen (gemeint ist: unter den gesellschaftlichen Bedingungen Jugoslawiens) kann das nur mit der Genialität von David Bowie bei der Erfindung seines alter egos Ziggy Stardust vergleichen

Naravno da iz kasnijeg životopisa Predraga Jovanovića možemo to zaključiti po mnogobrojnim avanturama, brakovima i deci neophodno je, ipak, naglasiti da tako kreativan imidž, a potpuno suprotan njegovim stvarnim polnim sklonostima, u našim uslovima, može da se uporedi samo sa genijalnošću jednog Dejvida Bouvija pri stvaranju svog alter ego heroja Zigija Stardasta.

Das Leben vorher: Hannoveraner Hippie

Seine Hippiephase hatte Predrag Jovanović übrigens teilweise auch in Deutschland ausgelebt, als Sänger der Hannover-Gruppe „Jane“ in deren Anfangstagen.

 

Weitere Farben des Chämelons

Später hat das Chämelon nochmals seine Farbe gewechselt und nahm an der Promintenausgabe der Ex-Yu Fassung von Big Brother teil.

Mehr Charme als dieser Ausflug ins Reality-TV hatte da 1967 seine (fiktive, es handelt sich um einen Ausschnitt aus einem Kinofilm) Teilnahme an einem musikalischen Wettbewerb als JuSDSS (Jugsolawien sucht den Superstar):

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