Mickey Maus und das jugoslawische Königsreich

Die Mickey Maus hatte eine besondere  Beziehung zu Jugoslawien. Eine ihrer Episoden wurde nämlich zu Zeiten des Königreiches Jugoslawien verboten.  Come in and find out:

In 1937, a Mickey Mouse adventure was so similar to real events in Yugoslavia that the comic strip was banned. State police say the comic strip depicted a “Puritan-like revolt” that was a danger to the “Boy King,” Peter II of Yugoslavia, who was just 14 at the time. A journalist who wrote about the ban was consequently escorted out of the country.

Worum ging es?

Mickey doubelt Thronfolger (zu) erfolgreich

In der Geschichte „Mickey und ihr Double“, die in der heute noch existierenden Zeitschrift „Politika“ erschien, kommt die berühmteste Maus der Welt in das fiktive Königreich Medioka, das – ebenso wie das damalige Jugoslawien – von einem noch minderjährigen Thronfolger regiert wird.

Dieser, Michael mit Namen, sieht genauso aus wie Mickey Mouse, so dass diese die öffentlichen Auftritte des Regenten übernehmen kann. Da Mickey ein cleveres Kerlchen ist, steigert das Michaels Popularität enorm.

Das ruft wiederum Widersacher auf den Plan: Michaels Onkel Varlott (klingt fast ein bißchen nach „warlord“, isn`it?) beginnt einen Staatsstreich vorzubereiten. Und an dieser Stelle wurde es den jugoslawischen Zensoren zu bunt. (Die ganze Geschichte im Original gibt es hier.)

Aufruf zum Umsturz durch einen Comic? Für die damalige Obrigkeit schien das plausibel.

Und die Moral von der Geschichte?

Was lernen wir daraus?

Vielleicht, dass man auf dem Balkan dazu neigt, vieles, was von irgendwem in irgendeinem Zusammenhang gesagt (oder gezeichnet) wurde, sofort auf sich zu beziehen – auch wenn das nicht unbedingt nahe liegt?

Eine Überlegung, für die einiges spricht. Jahrzehnte später formulierte die Band Azra in ihrem Lied Balkan das Selbstbild vieler „Jugos“ so:

Mi smo ljudi cigani/sudbinom prokleti
uvijek neko oko nas/ dodje pa nam prijeti

Wir sind vom Schicksal Verfluchte/immer gibt es einen, der kommt und uns droht

Herr Maus scheint da keine Ausnahme zu sein, sondern auch einer, dem man alles zutraut.

Kein Wunder, er ist ja auch nicht „von hier“!