Das Konterfei dieses jungen Mannes ist im Westen nicht unbedingt bekannt. Auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens ist das anderes.

Und auch die Bewertung dieser Person weicht dort in einigen Gegenden erheblich von derjenigen in Westeuropa ab.

Dies belegen auch die Inschriften neben diesen Wandgemälden des Sarajevo-Attentäters Gavrilo Princip, die wir in Serbien gefunden haben.

Gavrilo 2

„Unsere Schatten werden durch den Hof in Wien wandern  und die Herren das Fürchten lehren“

steht in Belgrad neben dem Portrait von Princip. Noch martialischer ist der Text in Kragujevac:

Gavrilo 1

„Ich schlage vor, dass Ihr mich an das Kreuz schlagt und bei lebendigem Leibe verbrennt. Mein brennender Körper wird die Fackel sein, die meinen Leuten den Weg zur Freiheit leuchtet“

Mit anderen Worten: Man verehrt Gavrilo als Helden.

Mit Zitaten, die ihn ins Übermenschliche erhöhen und gleichzeitig etwas Märtyrerhaftes, man könnte auch sagen, etwas Fanatischens haben. (Wie anders könnte man vor allem das zweite Zitat charakterisieren?)

Differenzierter sieht die bosnisch-hezegowinische Band Zoster die Person Gavrilo und die Folgen seines Handelns. In ihrem hyponotischen Song Gavrilo, zu dem es auch ein eindrucksvolles Video gibt, heißt es u.a.

Er ging auf einen Weg ohne Umkehr/Und wir alle gehen auf einen Weg ohne Umkehr,/noch heute gehen wir auf ihm (I on je krenuo, …/Na put bez povratka, on je krenuo/I svi smo krenuli, na put bez povratka/još i danas hodimo njime)

und:

Für die einen ist er ein Held, für die anderen ein Verbrecher/ wer weiß: vielleicht irrlichtert seine Seele auf halbem Weg zwischen beiden, Gavrilo, heißblütiges Herz (Za jedne on je heroj, a drugima je zločinac/A možda negdje na pola puta, njegova duša luta/Gavrilo, Gavrilo, srce uzavrelo)