Zuko Džumhur war eine so vielseitige Person, dass er auch mit der Bezeichnung als jugoslawischer „Kisch-Fuchsberger-Jean-Paul-Wilhelm-Busch“ nur ansatzweise beschrieben werden kann:

  • Wie Egon Erwin Kisch bereiste er die Welt und schrieb die Dinge, die er sah, in einem eigentümlichen, sofort erkennbaren Stil nieder und erreichte so viele Leser.
  • Wie Hans Joachim Fuchsberger hatte er auch eine regelmäßige Fernsehsendung, in der er von seinen Reisen berichtete. Was für „Blacky“ Australien war, waren für Džumhur die islamisch geprägten Teile Nordafrikas und Asiens und das ehemalige Jugoslawien.
  • Mit Jean Paul gemeinsam hat er nicht nur ein unübersehbares Opus, sondern auch die Neigung zu alkoholischen Getränken. An Letzterer hinderte ihn auch der Umstand, dass er Moslem und sein Vater sogar Mufti war, nicht. (Wer sich jetzt wundert, hat vermutlich nie mit bosnischen Muslimen zu tun gehabt.)
  • Mit Wilhelm Busch schließlich verbindet ihn der geschickte Umgang mit Zeichenstift und -feder, aus denen zusätzlich zu markanten Bildern auch prägnente Text flossen.
  • Darüber hinaus schrieb er noch Drehbücher.
  • Und niemand im ehemaligen Jugoslawien würde sich wundern, wenn demnächst auch noch eine bisher unbekannte Schallplatte von ihm auftauchen würde.
dzumhu
Zwei Männer, zwei lange Wege, zwei „Codes of the Road“ und viele Briefe von unterwegs, aber keine Zeit, sich zu rasieren!

Warum man im „letzten Moment“ sterben kann

Džumhur war ein gesamtjugoslawisches Phänomen. Er starb, wie der Romanautor Miljenko Jerkovic (Sarajevo Malboro) es formulierte, „im letzten Moment“ im Herbst 1989.

Wie kann man aber „im letzten Moment“ sterben?

Jerkovic erläutert dies folgendermaßen:

Wenn er nur noch einen Monat oder – Gott behüte! – ein Jahr länger gelebt hätte, hätte er sich wenigstens vor sich selbst, wenn nicht sogar vor der ganzen Welt, bezüglich seiner Identität festlegen und entscheiden müssen, welche seiner Identitäten er amputieren, beerdigen und vergessen müsste , damit dieser andere Zuko -lahm und klein gemacht – in der Welt, die gerade im Entstehen begriffen war, überleben können würde.

Diese Aussage werden viele in Deutschland nicht verstehen. Im ehemaligen Jugoslawien, wo sich Anfang der 1990-er der nationalen Bekenntniszwang breit machte,  werden nur wenige dieses Problem haben.

„Begrabt mich am letzten (Feier)Tag meines Staates“

Begraben wurde Džumhur am 29. November 1989, dem letzten 29. November, der als jugoslawischer Staatsfeiertag begangen  wurde.