Banja Luka: Polizei beseitigt Erinnerung an getöten Jungen

Vor einiger Zeit berichteten wir vom immer noch nicht aufgeklärten Tod des Jugendlichen David aus Banja Luka und den Demonstrationen, die deswegen regelmäßig stattfinden. Dabei haben wir auch das kleine Mahnmal, das im Stadtzentrum von Banja Luka an David erinnert, vorgestellt.

Jetzt müssen wir berichten, dass es dieses nicht mehr gibt, da es von der Polizei im Rahmen einer Aktion, bei der auch der Vater des Getöteten sowie verschiedene andere Protestierende verhaftet worden waren, beseitigt wurde.

Aus dem Stadtbild ist die Erinnerung an David deshalb jedoch noch nicht getilgt. Insbesondere die vielen Aufkleber (hier an einer Telefonzelle), auf denen die Frage „Wer hat David umgebracht?“ aufgeworfen wird, dürften kaum so einfach zu beseitigen sein, wie das bisherige Mahnmal.

Nicht nur deshalb wird die Erinnerung an David in Banja Luka vermutlich noch lange nicht verblassen.

Ausländische Presse sieht (wieder einmal) Beginn einer Wende zum Besseren

Die ausländische Presse, von der Süddeutschen Zeitung über die TAZ bis hin zum österreichischen Kurier und der slowenischen Delo, berichtet in diesem Zusammenhang wegen der spontanen Demonstrationen gegen diese Maßnahmen und der umgehenden Freilassung des verhafteten Vaters wieder einmal ein Wiedererstarken einer übernationalen Protestbewegung in Bosnien und Herzegowina:

Bosnien ist in Aufruhr (Süddeutsche Zeitung)

Protestwelle in Banja Luka neu entflammt (Kurier)

Proteste in Bosnien und Herzegowina: Der Druck der Straße wirkt (TAZ

Banja Luka protesters bring shift in mindset (Delo)

Woher diese Journalisten diesen Optimusmus nehmen, fragt man sich (wohl nicht nur) als jemand, der öfter vor Ort ist und die Landesprache beherrscht.

Ein ähnlicher Optimusmus, der sich später als unbegründet erwiesen hat, herrschte beim „bosnischen Frühling“ 2014 und als die Proteste wegen des Todes von David vor mehr als einem halben Jahr begann.

Im Herbst wurden dann die allgemeinen Wahlen abgehalten, die gerade nicht auf einen Abschied von national definiertem Verhalten hoffen ließen.

Auch wenn hunderte demonstrieren: Die tausenden, die zuhause bleiben, nachdem sie vorher die gegenwärtige Politik durch ihr Wahlverhalten bestätigt haben, bestimmen, was politisch möglich ist und was nicht.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber es sollten nicht die Journalisten sein, die Hoffnungen nähren, die schon einmal enttäuscht wurden.

Nachsatz: Leider war unser Pessimismus berechtigt: Die TAZ hatte ja (vorschnell) vermeldet hat, dass „der Druck der Straße wirkt“ und dass Davids Vater wieder frei gelassen wurde.

Danach wurde jedoch Haftbefehl gegen ihn erlassen, er ist flüchtig und hat sich mittlerweile mit einer Videobotschaft gemeldet.

Informationen dazu in deutscher Sprache gibt es in der „Süddeutschen“.

S

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