Deutsches Döner für den Balkan

Das ehemalige Jugoslawien hat eine große eigene Tradition an street oder fast food. Davon kann man sich zum Beispiel an den Busbahnhöfen der Städte überzeugen. Dort wird nicht nur Gegrilltes wie Čevapčiči, Pleskavica und Ražnići in Hülle und Fülle angeboten, sondern es gibt auch leckeren Blätterteig, der unter verschiedenen Bezeichnungen (Burek oder Pita) wahlweise mit Hackfleisch, Käse (sirnica) oder – besonders lecker – auch Kartoffeln (krompiruša oder krumpiruša) gefüllt wird. Auch Hausmannskost wie Eintöpfe kann man mancherorts „auf die Schnelle“ verzehren.

Und dann gibt es da noch die übergroßen, in dünnes Cellophan eingepackten Sandwiches, die wegen der Tomatenscheibe  und der reichlich auf die Wurst aufgestrichenen Mayonnaise immer saftig schmecken, bei deren Verzehr man aber besonders achtsam sein muss. Wer das Cellophan vor dem Essen nämlich ganz entfernt, versaut sich mit Sicherheit die Klamotten mit rot-weißem Sapper. Wer aber das Cellophan nicht weit genug abstreift, verheddert sich beim herzhaften Reinbeißen leicht mit den Zähnen darin. Was wiederum dazu führt, dass der Mayonnaise-Tomaten Mix austritt und sich seinen Weg auf die Kleidung sucht.

Wer es eher süß mag, findet diverses Gebäck, mit dem man den Hunger bekämpfen kann. (Besonders lecker, aber ebenfalls mit einem gewissen Tropfrisiko behaftet, sind hier übrigens die Kirschtaschen.)

Döner sucht man in Titos ehemaligem Reich dagegen oft vergebens. Ein bisschen mag das auch damit zu tun haben, dass dies ein türkisches Gericht ist und deshalb irgendwie auch an die 500-jährige Besetzung durch das Osmanische Reich erinnert.

In letzte Zeit kann man jedoch eine zaghaft steigende Zahl von Dönerbuden beobachten. Diese machen allerdings nicht mit Bezug auf die Türkei Reklame, sondern – ja, Sie lesen richtig – preisen die Fleischschnipsel mit Bezug auf die deutsche Hauptstadt an:

„Döner Kebab berlinerisch/auf Berliner Art“

heißt es dort.

Lustig!

Oder doch normal? Schließlich sind Änderungen der nationalen Zuschreibungen von Speisen, die eigentlich von ganz woanders herkommen, gar nicht so unüblich.

– Die Nudeln kommen schließlich auch nicht aus Italien, sondern aus China.

– Und wer hat nicht schon „amerikanische Pizza“ gegessen?

-Warum also nicht „deutscher Döner“?

Update:  Meine Tochter hat mich eben dezent darauf hingewiesen, dass der Döner in seiner nun in Deutschland allgemein bekannten Form in Berlin erfunden wurde.  Was den hier behandelten Hinweis auf die „Berliner Art“ aber nur teilweise erklärt, da die Belgrader dies vermutlich – ebenso wie der Autor dieser Zeilen bis vor wenigen Minuten – nicht unbedingt wissen.

Dann handelt es sich hier vielleicht um einen verbraucherschützenden Warnhinweis: „Vorsicht, kein richtig türkischer Döner!“

 

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