Seit 1717 alle Jahre wieder: Eine Lanze für Kroatien – Die Sinska Alka

Antiquierter Sport in den Schlagzeilen

Lanzenreiten in historischen Gewändern als Sport mit landesweitem Medieninteresse? Über den zudem auch noch auf der Titelseite von Tageszeitungen berichtet wird ? Mit Schlagzeilen wie der, dass die Ehefrau des diesjährigen Gewinners „vor Glück geweint“ hätte?

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Quelle: PJL, Wikimedia

Klingt etwas absonderlich, genau das passiert aber alljährlich bei der sogenannten Alka im dalmatinischen Sinj. Und noch viel mehr!

Geschichte und Mentalität erklären einiges

Darüber kann man sich wundern.

Verständlicher wird dies jedoch, wenn man mit dem geschichtlichen Hintergrund der Veranstaltung und der kroatischen Mentalität besser vertraut ist. Gefeiert wird mit dieser Veranstaltung – im Jahr 2017 bereits zum 302. Mal – nämlich ein wichtiger Sieg gegen die Osmanen.

700 gegen 60.0000 macht 10.000 Gefallene – bei den Stärkeren

Sinj war strategisch bedeutend. Deshalb galt es eine Durchbruch der Osmanen zu vermeiden. Wie aber, mit nur 700 Mann, die gegen 60.000 Osmanen standen. Wie auch immer: Sie haben es geschafft.

Nachdem 10.000 von ihnen gefallenen waren, zogen sich die Osmanen zurück. (Zahlen ohne Gewähr, nach kroatischen Quellen.)

Bei der Alka geht es also um eine – sehr – nationale Sache!

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Quelle: PJL, Wikimedia

Weltkulturerbe und politische Bühne

Gleichzeitig ist es jedoch ein offiziell bestätigter Teil der internationalen Kultur.

Die Veranstaltung wurde, nach einer entsprechenden Bewerbung, schließlich von der UN zum immateriellen Weltkulturerbe erhoben.

Lange vorher war sie schon ein Volksfest, das gleichzeitig eine Bühne  für Akteure des politischen Lebens unterschiedlichster Couleur ist. (Über die politische Dimension der Veranstaltung gibt es sogar ein eigenes Buch.)

Nicht Sieg, sondern Ruhm

Der Gewinner der Veranstaltung heißt übrigens nicht schnöde „Sieger“ (pobjednik). Das würde einer solchen Sache nicht gerecht. Deshalb heißt er „Ruhm-Erringer“. (So wohl die zutreffende Übersetzung von „slavodobitnik„.)

Die Namen aller 302 „Ruhmerringer“ kann man lückenlos auf dem kroatischen Eintrag zu dieser Veranstaltung in Wikipedia nachlesen.

Wer weiter forscht, stößt auf den interessanten Umstand, dass diese Veranstaltung manchmal  auch an anderen Orten, ja sogar einmal in der damaligen jugoslawischen Hauptstadt Belgrad stattfand.

Dafür musste es natürlich jeweils einen besonderen Anlass geben. Zum Beispiel:

  • Im Jahr 1832 wurde die Veranstaltung in Split abgehalten, weil ein Einwohner von Sinj (Sinjanin) aus dem dortigen Gefängnis entlassen wurdea održala se Alka u Splitu.
  • Neunzig Jahre später,  1922, war der Anlass nobler und führte in die serbische Hauptstadt. Grund war die Hochzeit des Königs der Serben, Slowenen und Kroaten  Aleksandar Karađorđević I mit der rumänischen Prinzessin Maria.
  • Vierzundzwanzig Jahre später hatten diese Hoheiten schon lange nichts mehr zu sagen, Wegen des III. Kongresses der sozialistischen Jugendorganisation USOJ fand die Alka in Zagreb statt.

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