Alles wurde anders. Aber: Hat sich was geändert? – Die Antwort weiß die Rockmusik!/Everything changed. But: Has anything changed? – The answer is blowingin the Rock music!

English translation below

Jugoslawien gibt es nicht mehr,  sondern verschiedene neue Staaten, die stolz sind, dass  sich etwas geändert hat.

Hat sich wirklich soviel geändert für die Menschen dort?

Die Antwort weiß die Rockmusik!

In den 1980-ern: Rocker zeichnen düsteres Bild der Situation

Vergleichsmaßstab sind die 1980-er in einem Land namens Jugoslawien.

Zagreb in den 1980-ern: Stromausfall und Strukturen

In Zagreb singt eine Band in einem Song namens „3 N“ davon, dass in Zeiten allgegenwärtigen Stromausfalls ausgerechnet bei den „Primaten“ (gemeint sind wohl die Alphatiere und Funktionäre) in den privilegierten Vorstädten der Strom nie ausfällt. Und dass diese das kaum bemerken würde: Schließlich lesen sie so gut wie gar nicht. Und wenn sie doch lesen würden, dann das Falsche.

In einem anderen Lied berichtete die Gruppe  von einer Stadt, die die „Strukturen“ im Griff hätten, während Studenten ohne Diplome in ihren Turnschuhen verrotten würden.

Die Gruppe heißt „Azra„.  Klingt exotisch, aber schuld daran ist Heinrich Heine. Kein Witz, würde aber jetzt zu weit führen!

Sarajevo in den 1980-ern: Warten auf den Paß, weil das Leben anderswo stattfindet

In Sarajevo singt damals eine andere Gruppe in einem dem jugoslawischen Nationalfeiertag gewidmeten Lied davon, dass alle nur noch auf ihre Pässe warten würden, weil sie – ähnlich wie der tschechische Dichter Milan Kundera – denken, dass das Leben „irgendwo anders“ stattfindet.

Die Gruppe Zabranjeno Pusenje heißt in deutscher Übersetzung „Rauchen Verboten“ und hat etwas gemeinsam mit Amon Düül, Barcley James Harvest,  Supertramp, Wishbone Ash und den Doobie Brothers. Es gab sie nämlich ebenfalls zeitweise doppelt.

Aber auch das würde jetzt zu weit führen!

Serbien in den 1980ern: Keine Gerechtigkeit, aber Brot und Spiel

In Belgrad berichtete in den 1980-ern eine Gruppe von einem Land in dem es „keinen Gott und keine Gerechtigkeit“ gibt, und dass man es deshalb verlassen würde:

Von „Brot und Spielen“ ist in ihren Liedern die Rede, und von welchen, die „Orden verdient und die Schule des Lebens bereits ausgelernt“ – also die Weisheit mit Löffeln gefressen – haben.

Die Gruppe heißt Riblja Corba (Fischsuppe). Und ist heute eine andere. Der Sänger und Texter ist nämlich  vom sensiblen Poeten zum Träger einer deutlich nationalen Duftnote geworden:

Aber auch das zu  erklären würde an dieser Stelle zu weit führen!

Fazit der 1980-er: Ne valja!

Das waren nur ein paar Schnipsel aus dem Jugo-Rock der 80-er. Bei soviel Unzufriedenheit kann man es verstehen, dass dieser Staat auseinandergefallen ist!

Cuio bono: A sta smo za to dobili?

Was aber hat man dafür bekommen?

Um das herauszufinden kann man Statistiken lesen oder aber auch Fortschrittsberichte der EU über die Beitrittskandidaten in Südosteuropa. Diese heißen übrigens seit einiger Zeit nicht mehr Fortschrittsberichte,  sondern einfach „Berichte„.

Warum wohl? Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt!

Bands mehr am Puls als Behördenberichte

Oder aber man kann die Bands „aus der Region“ von heute anhören.

Zugegeben, für jemanden, der die Achtziger – und sogar die Siebziger – musikalisch in Echtzeit erlebt hat, dauerte es etwas bis man sich in den Stil einhört.

Dann aber merkt man: Hier werden Fäden fortgesponnen. Musikalisch die Verknüpfung von gerade international angesagten Musikstilen und Volksmusik.(Früher nannte man das, was die bosnische Band Biejelo Dugme – Weißer Knopf – und andere diesbezüglich machten übrigens Bauern- oder Schäferrock.) Deutlicher wird diese Kontinuität vermutlich durch die Hörbeispiele, die folgen werden.

Die Kontinuität setzt sich aber auch in den Texten vor:

Bosnien und Herzegowina in den 2010-ern: Dubioses Kollektiv gegen Klüngel

In Bosnien beklagt die Band Dubioza Kolektiv, die auch schon am Nürnberger Bardentreffen und beim Kölner Summer Jam  zu hören war, dass das Land nunmehr „ein Staat für Verwandte“ (also Privateigentum einer bestimmten Gruppe) sei, und dass man die Liste der Staaten mit dem größten „brain train“ (d.h. auf Deutsch übersetzt übrigens wörtlich: „Gehirnabfluss) anführen würde.

Ähnlich kritisch äußern sich die Band mit dem unangenehm klingenden Namen „Zoster“ (Gürtelrose) zu den Zuständen in dem Staat, in dem sie inzwischen leben. Darüber haben wir schon geschrieben.

Serbien in den 2010-ern: „Belgrader Gewerkschaft“ fühlt sich belogen

In Belgrad beklagt die“ Belgrader Gewerkschaft“ (so die Übersetzung von Beogradski Sidnikat ) dass man „vom System angelogen“ wird und ihm nichts glauben soll.

Man fühlt sich dabei an die Zeilen „Friss, was man hier serviert“ aus dem Lied „Es ist so schön, doof zu sein“ der oben zitierten serbischen Fischsuppe aus den achtziger Jahren erinnert.

Kroatien in den 2010-ern: Tage der geschlossenen Türen

Und was besagt das Votum der Jury aus Zagreb?

Dort hat eine Band mit dem schönen Namen Hladno Pivo (kaltes Bier) ihrem  letzten  Doppelalbum den  viel sagenden Namen „Tag der geschlossenen Tür“ gegeben.

Auch dort finden sich viele Motive wieder, die man schon aus den 1980-ern kennt.  In entwickelter  Form.

Inzwischen träumen nämlich viele nicht mehr nur vom Ausland, sondern lebt schon  schon dort. Und senden am Befreiungstag patriotische Grüße aus der Ferne:

Sie sagen: Grüß`uns die Heimat/das wunderschönste Land der Welt/…./schön, wenn man es aus der Ferne sieht (Kažu: Pozdravi nam domovinu/najdivnija zemlju svijeta…/lijepa vam je izdaleka)

Musikalisch hört sich das so an:

Und auch das nächste Lied vom „kalten Bier“ ist wenig optimistisch.

In Ex-Jugolawien („in diesen Gebieten/Na ovom prostorima“)  gibt es danach vieles, auch Positives, aber immer noch genug Trotz, dass es für noch ein paar Kriege reicht, singen sie.

Und bezüglich des Verhältnisses zur EU spricht das Video dazu Bände – auch wenn man die Sprache nicht versteht:

 

Und die Moral von der Geschicht`?

Was soll man sagen:

  • Andere Trainer,
  • andere Trikots,
  • neues Stadion,

aber immer noch dasselbe Spiel.

Everything changed. But: Has anything changed? – The answer ist o be found in the Rock music!

Yugoslavia no longer exists, but various new states, which are proud that something has changed.

Has so much really changed for the people there?

Rock music knows the answer!

In the 1980-ies: Rockers draw a gloomy picture of the situation

The standard of comparison is the 1980s in a country called Yugoslavia.

Zagreb in the 1980s: power outage and structures

In Zagreb, a band sings in a song in times of ubiquitous power failures, that the electricity never fails among the „primates“ (meaning probably the alpha animals and functionaries) in the privileged suburbs. And that these primates would hardly notice if there would be power cuts: After all, they hardly read at all. And if they did read, then the wrong thing.

In another song, the group reported about a city under controll of the „structures“ in which students without diplomas rot in their sneakers.

The group is called „Azra“. Sounds exotic, but Heinrich Heine is to blame. No joke, but that would be going too far now!

Sarajevo in the 1980s: Waiting for the passport, because life is elsewhere

In Sarajevo at that time another group sings about how everyone would only wait for their passports because they think – similar to the Czech poet Milan Kundera – that life takes place „somewhere else“.

The group is called „Smoking Forbidden“ in translation and has something in common with Amon Düül, Barcley James Harvest, Supertramp, Wishbone Ash and the Doobie Brothers. They also existed twice at times.

But also that would lead too far now!

Serbia in the 1980s: No justice, but „bread and games“

In Belgrade in the 1980’s a group reported about a country where there is „no God and no justice“ and that people would leave it because of this.

They talked about „bread and games“ in their songs, and about those who „deserved metals and have already learned the school of life“ – that is, who have eaten wisdom with spoons.

The group is called Riblja Corba (fish soup). And today is another one. The singer and songwriter has gone from being a sensitive poet to the bearer of a distinctly national fragrance:

But even to explain that would be going too far at this point!

Conclusion of the 1980-ies: Ne valja!

These were just a few snippets from the Jugo rock of the 80s. With so much dissatisfaction one can understand that this state has fallen apart!

Cuio bono: A sta smo za to dobili?

But what did you get for it?

To find out, you can read statistics or progress reports of the EU about the candidate countries in Southeast Europe. By the way, for some time now these are no longer called progress reports but simply „reports“.

Why is that? A rogue who thinks badly about it!

Bands more on the pulse than official reports

Or you can listen to the bands „from the region“ of today.

Admittedly, for someone who has experienced the eighties – and even the seventies – musically in real time, it took some time to get into the style.

But then you realize: Here old threads are spun further. Musically, it is the combination of music styles that are currently internationally hip and folk music (in the past, what the Bosnian band Biejelo Dugme – White Button – and others did in this regard, by the way, were called farmer or shepherd rock). This continuity will probably become clearer with the listening examples that will follow.

But the continuity is also present in the lyrics:

Bosnia and Herzegovina in the 2010s: Dubious collective against cronies

In Bosnia, the band Dubioza Kolektiv, which could already be heard at the Nuremberg Bard Meeting and the Cologne Summer Jam, complains that the country is now „a state for relatives“ (i.e. private property of a certain group), and that the list of states with the greatest „brain drain“ would be topped.

The band with the unpleasant sounding name „Zoster“ (shingles) are similarly critical of the conditions in the state they now live in. We have already written about this.

Serbia in the 2010-ies: „Belgrade Trade Union“ feels lied to

In Belgrade, Beograd Sindikat (the Belgrade Trade Union) complains that you are „lied to by the system“ and are not supposed to believe anything.

One feels reminded of the lines „Eat what you serve here“ from the song „It’s so nice to be stupid“ (Tako je lepo biti glup) from the Serbian fish soup from the eighties quoted above.

Croatia in the 2010-ies: days of closed doors

And what does the vote of the jury from Zagreb say?

There a band with the beautiful name Hladno Pivo (cold beer) has given their last double album the meaningful name „Day of the closed door“.

Also there you can find many motives that you already know from the 1980-ies.  In developed form.

Meanwhile many people not only dream of foreign countries, but already live there. And send patriotic greetings from afar on Liberation Day:

They say: Greet ‚us the homeland /the most beautiful country in the world/…/beautiful when you see it from afar (Kažu: Pozdravi nam domovinu/najdivnija zemlju svijeta…/lijepa vam je izdaleka)

Musically, it sounds like this:

In ex-Yugolawia („in these areas/Na ovom prostorima“) there is a lot of things after that, also positive things, but still enough defiance that there is enough for a few more wars, they sing.

And concerning the relationship to the EU the video speaks volumes – even if you don’t understand the language:

And the moral of the story‘?

What can you say:

– Other coaches,

– other uniforms,

– new stadium,

but still the same game.

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